Heimat-, Kultur- und Museumsverein Abbenrode e.V.
Heimatverein Abbenrode e.V.
Wassermühle Otto
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Erfolgreiche Restaurierung der Mühle Otto 2002 - 2007
Am 22.03.2002 fanden sich Heimatfreunde zu einer „Interessengesellschaft Abbenröder Mühlen” zusammen, um nach Möglichkeiten der Sanierung der Mühle Otto zu suchen und zu planen.

Schon seit einigen Jahren sammelte der Heimatverein Abbenrode Spenden für das ehrgeizige Projekt, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Anfang August 2002 trafen sich Vertreter des Heimatvereins mit dem Mühlenbauer Axel Brüggemann aus Dingelstedt, dem Architekten Herrn Arkenstedt, dem Abbenröder Maurermeister Michael Brandes und dem Eigentümer Friedhelm Otto an der Mühle Otto, um die ersten Arbeiten abzustimmen. Einig war man sich, so schnell wie möglich mit den Arbeiten zu beginnen, denn zu den kommenden Mühlentagen sollte eine nach und nach funktionsfähige Wassermühle den Besuchern präsentiert werden können.

Durch das EU Förderprogramm LOKALE bot sich dem Verein Ende 2002 die Möglichkeit, einen Antrag auf Unterstützung der Sanierung zu stellen. Im Juli 2003 erhielt der Heimatverein Abbenrode vom Amt für Landwirtschaft und Flurordnung Halberstadt (ALF) den lang erwarteten Zuwendungsbescheid für die Restaurierung der Wassermühle Otto.

Als erstes wurden die Reste des alten noch vorhandenen Wasserrades durch Herrn Brüggemann am 20.08.2003 vermessen, zeichnerisch aufgenommen und das Wasserrad ausgebaut. Das alte Rad war nicht mehr zu reparieren, da es zerbrochen war, und wurde durch einen Neubau ersetzt. Die Welle des Rades musste hierbei ebenfalls erneuert werden. Parallel hierzu wurde die „Radstube” neu aufgebaut und der Westgiebel erneuert. Das vorhandene Getriebe zum Antreiben der drei vorhandenen Mahlgänge wurde neu ausgerichtet und instandgesetzt. Das Auswechseln der schadhaften Balken im Mühlenkeller erwies sich teilweise als sehr aufwändig. Durch eine großzügige Spende der Deutschen- Erz- und Metall Union GmbH Salzgitter, in Form des Kaufs von 1,5 m³ Eichenbalken, konnte endlich mit der langersehnten Sanierung der maroden Balkenlage am Mühlengetriebe begonnen werden, die durch den Abbenröder Tischlermeister Frank Kath und den Quedlinburger Zimmermann Volker Kleine durchgeführt wurde.

Nach langem Suchen gelang es passende Gaze für die großen „Sechsecksichter” zu bekommen, damit diese wieder neu bezogen werden konnten. Somit wird der Sichter beim Sieben des Mahlgutes in Zukunft vorgeführt werden können. Kostenlos bereitgestellt hat die Gaze Stefan Kastenmüller aus Martinsried in Bayern.

Im Dachgeschoss wurde ein neuer Fußboden komplett eingezogen und das Dach saniert. Die Lösung des Problems der Wasserzuführung mittels Pumpe (18 KW, Leistung 110 l/sec.) und Antrieb des neuen Mühlenrades kann als optimal angesehen werden. Per Knopfdruck steht sofort genügend Wasser zur Verfügung, um die Mühle in Gang zu setzen. Die Mühle Otto besitzt kein Wasserecht mehr, auch ein Zulauf und Ablauf sind nicht mehr vorhanden. Somit musste hier ein geschlossener Wasserlauf mit 12 m³ Wasserinhalt und Zisterne als Antriebsform gewählt werden.

Mit der Einrichtung eines kleinen Museums über die Mühlengeschichte von Abbenrode wurde die Sanierung der Mühle Otto 2007 weitestgehend abgeschlossen.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es nur durch die hohe Spendenbereitschaft der Abbenröder Einwohner und Freunde der „Interessengemeinschaft Abbenröder Mühlen” möglich geworden war, dieses ehrgeizige Projekt in Angriff zu nehmen und die bereitgestellten Fördermittel voll ausschöpft werden konnten. Besonderer Dank gilt hier auch dem Landkreis Wernigerode, der Vereinigten Volksbank, der Allianzvertretung Fred Zimmermann Wernigerode, den Jagdpächtern, den Stadtwerken Wernigerode, der Deutsche Erz- und Metall Union Salzgitter GmbH, Eurawasser, Bagger Friehe Vienenburg und den vielen anderen Sponsoren, für die erhebliche finanzielle und materielle Unterstützung. Um so mehr bittet der Verein die Einwohner von Abbenrode, Förderer und mögliche Sponsoren, sich an der weiteren Erhaltung der noch vorhandenen Mühlentechnik in Abbenrode zu beteiligen, denn es harren immer noch weitere erhaltenswerte mühlengeschichtliche Kulturgüter ihrer Rettung und Sanierung.

Die Restaurierung der Wassermühle Otto stellt hierbei den ersten Schritt zum Aufbau eines Mühlenmuseums mit überregionaler Bedeutung dar. Das große Interesse der letzten Jahre am Mühlentag in Abbenrode zu Pfingsten bestärkt die Abbenröder Mühlenfreunde in ihrer Arbeit, die alte Mühlentradition in Abbenrode mit seinen noch zwei erhaltenen Wassermühlen Otto und Zimmermann sowie dem ehemaligen Standort Mühle Hinze mit seiner 700 jährigen Eisenverhüttungs- und Mühlengeschichte zu erhalten. Spenden können auf das eingerichtete Mühlenkonto bei der

Vereinigten Volksbank eG, Konto Nr. 8583919, BLZ 278 932 15

eingezahlt werden.

Weitere Informationen über die Abbenröder Mühlen und den Verlauf der Restaurierung der Mühle Otto können im Internet unter der Adresse http://www.abbenrode-harz.de abgerufen werden.

Die Wassermühle Otto ist zum Mühlentag Pfingstmontag und zum Tag des offenen Denkmals im September geöffnet, sonst nach Absprache. Ansprechpartner Andreas Weihe, Telefon 039452 9270 bzw. Wolfgang Wehr, Telefon 039452 9264.

Heimatverein Abbenrode

Neuer Schwung für alte Mühle
Kommunale Beschäftigungsagentur (KoBa) hilft bei Sanierung in Abbenrode
Artikel vom 17.11.2005
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Besucher in der Wassermühle Otto in Abbenrode
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Restaurierung: Fotografien / Bilder
AbbildungMühlgraben
Sanierung der Grundmauern und Westgiebel, Januar 2004.


AbbildungZisterne
Bau der Wasserzisterne, Tiefe 4,5m, April 2004.


AbbildungFußboden
Sanierung des kompletten Fußbodens im Dachgeschoss.


AbbildungMauer
Erneuerung der Natursteinwände im Keller.


AbbildungKarl Heinz
Karl Heinz Kienert beim Putzen der alten Feldsteine.


AbbildungLothar
Lothar Kienert beim Verfugen der Wände.


AbbildungWellen
Die alte und die neue Mühlenradwelle.


AbbildungEinbau Welle
Mit dem Kran von Jürgen „Bagger” Friehe wurde die neue Welle in die Radstube eingesetzt.


AbbildungRadstube
Teil der neuen Radstube mit Besucherlaufsteg.


AbbildungRad
Mühlenbauer Axel Brüggemann mit Sohn beim Einbau des neuen Mühlenrades.


AbbildungSichter
Aufarbeitung des Sechskantsichter beim TAW Wernigerode.


AbbildungEinsetzen der Pumpe
Einsetzen der Pumpe in die fertige Zisterne, v.l.n.r. Andreas und Christoph Weihe sowie Michael Brandes.


AbbildungFrank
Frank Dehne war der Fachmann für die Schweißarbeiten, hier beim anbringen des neuen Geländers für den Eingang.


AbbildungSichtfenster
Gewichtstest für das neue Schauglas über dem Mühlenrad, v.l.n.r. Wolfgang Wehr, Andreas Weihe und Michael Brandes.


AbbildungTor
Das neue Tor zur Radstube und neuer Steintreppe.


Fotos: Weihe
Wassermühle Otto, geschichtliche Entwicklung
Mühle Otto, auch Ottens Mühle genannt, liegt mitten in der Ortslage. Sie ist eine Schrot- und Sägespänenmehlmühle. Sie gehört zu den ehemals 6 existierenden Wassermühlen in Abbenrode.
Sie wurde vom letzten Müller, Louis Otto, bis 1947 betrieben. Nach dem Tod von Louis Otto stand die Wassermühle still, Inventar wurde teilweise ausgebaut, aber die Inneneinrichtung einer Wassermühle war noch gut zu erkennen. Durch ihre zentrale Lage war sie für Lohnmüllerei wie geschaffen. Haupterwerb war aber die Landwirtschaft.

Müller Louis Otto war verpflichtet, vom Ganterplatz bis zum Wehr den Mühlengraben zu betreuen. Für die Sauberhaltung des Mühlengrabens waren die Anlieger verpflichtet. Zweimal im Jahr wurde durch Anordnung des Bürgermeisters der Mühlengraben gereinigt. Neben der Wassermühle Zimmermann gehört sie zu der am besten erhaltenen Mühle im Ort. Unterlagen sind über den Betrieb kaum vorhanden. In den über 50 Jahren des Stillstandes gab es keine Veränderungen am Gebäude. Außer dem Ausbau der für den Betrieb notwendigen beweglichen Geräte, wie z.B. Sichter und Elevatoren, zeigte sich die Mühle bis 2002 in ihrem ursprünglichen Zustand.

Bekannte geschichtliche Entwicklung:
1854 wird die Mühle als Wilhelm Fultsche Mühle mit einem oberschlächtigen Wasserrad und 2 Sägespänmahlgängen urkundlich erwähnt.
1860 ist Heinrich Kiel aus Goslar neuer Besitzer der früheren Fultschen Mühle.
1901 übernimmt Johanna Otto, geb. Bartels, genannt Freutel, die Landwirtschaft mit Mühle.
1931 Am 15. April 1931 übernimmt Louis Otto die Landwirtschaft mit Mühle.
1947 nach dem Tode von Müller Louis Otto übernimmt seine Witwe Minna Otto, geb. Steinbrecher, das Anwesen samt Mühle.
1953 wird Landwirt Fritz Otto, Sohn von Louis und Minna Otto, Eigentümer.
1991 wird der Sohn von Fritz Otto, Friedhelm, Eigentümer des Grundstückes
Im Winkel 3.

Die vorhandenen Unterlagen sind sehr lückenhaft, trotzdem wird der Heimatverein weiter an der Geschichte der Wassermühle Otto forschen und diese vervollständigen.

Neben der Mühle Zimmermann ist die Mühle Otto die einzige verbliebene Wassermühle in Abbenrode, die noch erlebbar ist. Der Heimatverein Abbenrode, seit 2.Oktober 2002 Pächter der Mühle Otto, kann nun mit der ausgestellten Technik, den Informationen und den verschiedenen Modellen Abbenröder Mühlen ein Stück alten Müllerhandwerks interessierten Besuchern darstellen und vorführen. Mit dem Einbau einer neuen Bütte, Mai 2007, und der Instandsetzung des Antriebes (Zahnräder, Kämme und Ausrichtung des Schrotganges), ist die Restaurierung nach 5 Jahren weitestgehend abgeschlossen und eine funktionstüchtige Mühle in Abbenrode wiedererstanden.

Chronik Abbenrode
Geschichte: Fotografien / Bilder
AbbildungMühle Otto
Die Mühle Otto vor der Sanierung 2002.


AbbildungLouis Otto
Letzter Müller bis 1947.


AbbildungMai
Fritz Otto mit seinem Pferdegespann beim 1. Mai in den 50er Jahren. Neben ihm auf dem Bock Hermann ”Kruse„ Bormann.


Fotos: Familie Otto, Weihe
Wassermühle Otto - Technische Daten
Die Wassermühle Otto wurde zwischen 2003 und 2006 durch den Heimatverein Abbenrode grundsaniert.

Die Gebäudesubstanz:
Ca. 90 m2 bebaute Fläche, Kellergeschoss Bruchsteinmauerwerk bzw. Ziegelmauerwerk, Erdgeschoß Ober- und Dachgeschoß Fachwerkkonstruktion mit Lehm − bzw. Ziegelgefach, stahlträgergestützte Gewölbekonstruktionen in der Radstube.

Es (gehörten bzw.) gehören an technischen Einrichtungen dazu:
Ein oberschlächtiges Wasserrad (Eiche), 2,50 m Durchmesser mit zugehörigem Gossen- und Flutwerk aus Eichenholzkonstruktionen, im Außenbereich Bruchsteinmauerwerk, Wasserradachse in Eichenholz, eiserne Kamm- und Stirnräder mit eingesetzten Hainbuchenkämmen, Pumpenschacht und Wasserspeicher (10 m³) mit einer 18 kW Elektrotauchpumpe (Förderhöchstmenge 110 l /Sek. = 396 m³ /Std.). Die drei Mahlgänge geben Hinweise auf den Haupterwerbszweig als Sägemehl- und Schrotmühle.

Drei mit Picke und Kraushammer geschärfte Mühlensteine aus Kunststeingemisch hergestellte (französischer Süßwasserquarzit auf Beton als Trägermaterial), so genannte Franzosen, ca. 0,6 − 0,8 to schwer, Lager- bzw. Läuferstein, Durchmesser ca. 1,05 m, Steinauge ca. 30 cm stark. Die Haue fixiert den Stein auf dem per Vorgelege angetriebenen Mühleisen, der Läufer erreicht bis zu 180 Umdrehungen pro Minute. Aus dem mit Messmarken versehenen Schüttguttrichter rieselt das Mahlgut durch die Speisevorrichtung „ricke racke” zwischen die Steine. Die Zentrifugalkraft, Stichwort „Luftfurchen im Stein” bedingt dann, dass das zu mahlende bzw. zu schrotende Gut erst die Vorbrechzone und dann die eigentliche Mahl- oder Schrotzone passiert. Die Feineinstellung mit dem Stellwerk macht die Klassifizierung aus. Die Tagesleistung bei voller Wasserkraft betrug 25 − 35 Doppelzentner (dz =100 kg) in 12 Stunden. Die die Steine umgebende hölzerne (bzw. eiserne) Bütte fängt das Mahlergebnis auf und lässt es durch die Mehlpfeifen in Doppelzentnersäcke runterrieseln. Der Müller erhielt einen bestimmten Anteil (Toll genannt) des zu mahlenden Gutes als Naturalmahllohn, den er mit dem auch Toll bezeichneten Gefäß entnahm und in der Tollkiste sammelte.

Um die Steine nach etwa 500 − 1000 Doppelzentner Mahlleistung neu schärfen zu können, hob man sie mittels des Steinkrans auseinander, in seinen Klauen konnte man den Läuferstein auch umwenden.

Das ausgeklügelte System der installierten Riemen angetriebenen Transmissionen trieb u. a. Sechskantsichter (Keller), eine Getreidereinigungsanlage (im Dachgeschoss?) und früher wahrscheinlich auch den Sackaufzug im Dachgeschoss an.

C.B.-S.

AbbildungVorrichtungen zur Mahlgutzufuhr

Das auf der Bütte liegende Rumpfzeug enthält alle Vorrichtungen zur Mahlgutzufuhr. Auf dem Grundgerüst befinden sich Trichter mit Schieber, Rüttelschuh mit Anschlagholz und die Spannvorrichtung zur Einstellung des Rüttelschuhes.


AbbildungFunktionsweise des Rüttelschuhs

Ein „Augen-Blick” (ins Auge des Läufersteins) offenbart die Wirkungsweise des Rüttelschuhes. Die unter dem Trichter in geneigter Position hängende Vorrichtung wird bei Drehung der Spindel durch Anschlagen der vier an der Mahlspindel angeschraubten Rundeisenstäbe („Vierschlag”) am Schlagholz des Rüttelschuhes in eine rhythmische Bewegung gebracht, deren Frequenz sich mit der Drehzahl ändert. Somit wird der Mahlgang bei schnelleren Umdrehungen stärker gespeist und bei langsameren entsprechend geringer. Zur Feindosierung dient das vorn am Rüttelschuh befestigte Seil, das durch Spannen oder Lockern über eine arretierbare Seilwelle ein Heben oder Senken des Rüttelschuhes und damit eine Änderung der Zutrittsmenge bis zur vollen Unterbrechung oder Öffnung des Einlaufes bewirkt und durch Schrägzug um die Holznägel den Anpressdruck des Schlagholzes an den Vierschlag steuert.
Technische Daten: Fotografien / Bilder
AbbildungWassermühle Otto
Die Wassermühle Otto aus der Luft gesehen.


AbbildungSteinkran
Steinkran zum abheben und wenden des Läufer- und Bodensteins. Dahinter die neue Bütte mit Trichter.


AbbildungSechskantsichter
Kastenförmige Siebanlage zur Abtrennung verschiedener Mehlsorten nach ihrem Feinheitsgrad


AbbildungAufzug
Der alte Aufzug im Dachstuhl der Mühle


AbbildungPumpe
Die Pumpe, 18 KW und Leistung von 110l/S


AbbildungAntrieb
Der Antrieb (Getriebe) im Keller mit Mühlenachse während der Sanierung.


Fotos: Weihe