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Geschichte der Mühle Hinze
An dieser Stelle hat früher die Hütte von Kühlingerode gestanden, die 1311 urkundlich erwähnt wird.
Der Name Hütteberg und die Schlackenkuhle hinter den Wohnhäusern sind ein weiterer Beweis für den frühen Standort einer Eisenerzverhüttung. Bis 1920 befand sich dort noch eine große Schlackenhalde. Erst im Jahr 1920 wurde diese Halde abgefahren. An dieser Stelle befindet sich dort eine große Kuhle, auf deren Grund man auch heute noch Schlackenstücke finden kann. Zu dieser Hütte wurden täglich bis zu 8 Ackerwagen voll Erz aus dem Rammelsberg von Goslar heran gefahren. Auf dem Brandhai wurde die Holzkohle für die Hütte hergestellt.
Kühlingerode lag an der alten Kaiserstraße. An dieser Stelle baute um 1757 das Halberstädter Domkapitel ein Jagdhaus. Hier ist das Gebäude beim Altfeld (Lange, später Altersheim) gemeint. Die Kühlingeröder Wiesen erinnern noch an das Dorf, das 1422 bei einem Gefecht im Papenkrieg zerstört wurde. Die Einwohner wurden von Abbenrode aufgenommen.
1745 wird unter dem Namen Stolze ein Eisenhammer aufgeführt, der bis
1821 unter Georg Spörer in Betrieb ist. Der Eisenhammer brauchte für die laufende Arbeit 2 Mühlenräder mit Wasserantrieb und Transmission, ein Wasserrad mit Achse für den Eisenhammer und ein Wasserrad für das Gebläse für die höhere Holzkohlenerhitzung um den Schmelzpunkt des Eisenerzes zu erreichen.
Der Eisenhammer wird 1821 verkauft und in eine Faktorei zum Eisenhammer Ilsenburg umgewandelt.
1850 wird eine Chemische Fabrik eingerichtet. Die Besitzerverhältnisse ändern sich.
1860 wird in einem Schriftstück eine von Clausbruchsche Chemische Fabrik zu Abbenrode mit rückschlächtigen Rädern und oberschlächtigem Wasserrad genannt. Es wurde unter anderem Stärke, Waschpulver und Schuhcreme hergestellt. Auch von einer Fassfabrik ist die Rede. Demselben Eigentümer gehörte auch die Zimmermannsche Papiermühle.
Bevor Ende des 19. Jahrhunderts der zeitweilige Eigentümer Schacht die damalige Stärkefabrik (daher stammen die ausgebauten Etagen auf dem Dach, diese dienten als Trockenböden) zu einer Mühle ausbaute, war sie im Besitz von „Salomon Hardegen”. Diese Besitzer betrieben nebenbei noch einen Pferdehandel. Es heißt, dass diese Pferde alle die Krankheit „Rotz” hatten. Auf dem Hütteberg soll man ein großes Loch ausgehoben haben, in dem dann die erschossenen Pferde begraben wurden.
Der spätere Besitzer Schacht, der die Stärkefabrik dann zu einer Kornmühle umbaute, soll in seinem Pferdestall diese Krankheit wieder gehabt haben.
Die Gegend um die Mühle, nebst den 3 Wohnhäusern, nennt man heute noch „Auf der Fabrik”, auf Plattdeutsch „Up de Fabreike”. Diese Gegend wird auch „Auf der Hoheit” genannt.
Am 6. April 1897 verkaufte Friedrich Schacht, Abbenrode Nr. 69 , das Mühlengrundstück an den Müllermeister August Hinze und dessen Ehefrau Wilhelmine, geb. Kunze.
Der Kaufvertrag wurde bei dem Königlich Preußischen Notar Gustav Russel zu Goslar abgeschlossen. Die Kaufsumme betrug 33.000,- Mark.
August Hinze hatte ab 1870 die erste Müllerstelle in Peters Mühle und die Leitung der Obermühle in Wülperode inne.
In einem Vertrag wurden dabei alle Rechte und Pflichten sowie die Bezahlung festgehalten. Die Vergütung erfolgte aber nicht nur in barer Münze, sondern auch in freier Wohnung und Naturalien.
Dazu gehörten Benutzung des zugewiesenen Gartenlandes, Kartoffelland, zu Weihnachten ein halbes Schwein zu 200 Pfund, zu Michaelis ein Schnittschaf, wöchentlich mehrere Brote, Butter, Käse, Bier, Weißkohl, Eier, Mehl, Schrotgrütze usw., freies Licht und Heizung. Zu den Aufgaben der Frau Wilhelmine gehörte die Reinigung aller Mühlennebengelasse, der Kammern der Mühlenknappen und die Pflege deren Betten.
Der Mühlenbesitzer August Hinze muss um die Jahrhundertwende verstorben sein. Bei gerichtlichen Streitigkeiten erscheint immer der Name der Witwe Wilhelmine, meistens durch ihren Sohn Adolf vertreten.
Die Mühle wurde dann von der Witwe Wilhelmine und ihren Söhnen Adolf und Otto betrieben.
Außer der Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Schrotgang wird mit Wasserkraft und zwei Mühlenrädern eine Lohndreschmaschine, eine Häckselmaschine und eine Kreissäge für Lohnschnitt betrieben. Selbst die Milchzentrifuge, das Butterfass und die Butterknetmaschine laufen über die Transmission vom Wasserrad aus. Zur Mühle gehörte eine Landwirtschaft. Der Pferdemühlenwagen fuhr das Mehl zu vielen Bäckereien der Umgebung. Der Kutscher, Heinrich Plettner, arbeitete 45 Jahre bei der Mühle Hinze.
1939 heiratete der Müllermeister Friedrich Zimmermann die Tochter von Adolf Hinze, Wilhelmine und es erfolgte eine Wirtschaftszusammenlegung mit Zimmermanns. Im Zuge des Alterns der Familie Hinze wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Das Wohnhaus war noch einige Jahre vermietet. Durch den Verfall des Gebäudes musste es 1975 aus Sicherheitsgründen abgerissen werden.
Eine 664 Jahre alte Hüttengeschichte mit Eisenhammer und Schmelzöfen sowie Mühlengeschichte ging zu Ende.
Das Modell dieses Mühlengrundstückes ist original getreu nachgebaut und in der Wassermühle Otto zu besichtigen.
Der Heimatverein fühlt sich der Geschichte verpflichtet und will aus den noch sichtbaren Anlagen ein Freilichtdenkmal errichten.
Fotografien / Bilder
Schlackestücke
Schlackestücken als Zeugnisse vergangener Eisenverhüttung sind noch in der Umgebung der Mühle Hinze zu finden.
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Mutterboden
In den zwanziger Jahren wurde die damals vorhandenen eisenhaltigen Schlackeberge abgefahren und nach verhüttet, noch heute ist ein Hügel mit abgetragener Muttererde zwischen Mühle Zimmermann und Hinze zu sehen. Dahinter sind die ehemaligen Wohnhäuser für die Arbeiter der Mühle zu sehen. Sie werden zur Zeit von den neuen Eigentümern liebevoll saniert.
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Hammer
Saigerhütte mit Kupferhammer in Olbernhau-Grünthal als Beispiel für einen Eisenhammer. Zwei Tiefhämmer und ein Breithammer, Quelle: Denkmale der Produktions- und Verkehrsgeschichte, VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1989.
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Schmiede
Schmiedearbeit, gekuppelt mit den Balggebläsen, nach einem seiner Kupferstiche um 1580
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Pochwerk
Zeichnungen eines Hammerwerks/Pochwerkes aus Brockhaus´ Konservationslexikon, 14.Auflage von 1898.
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Erzaufbereitungsanlage
Schnitt einer neueren Erzaufbereitungsanlage, Brockhaus´ Konservationslexikon, 14.Auflage von 1898.
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Mühle Hinze im Winter
Mühle Hinze im Winter
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Eingang Mühle Hinze
Vor dem Eingang Wohnhaus Mühle Hinze Adolf und Hinze und Tochter Else.
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Hof
Innenhof der Wassermühle Hinze, Foto 1974
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Altes Mühlenrad
Das alte Mühlenrad von Hinzes Mühle
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Reste Mühle Hinze
Viel ist nicht mehr von der ehemaligen Mühle Hinze vorhanden, nur noch die verfallenden Rogensteinwände und Grundmauern. Hier stand einmal eines, der ehemals zwei Mühlenräder.
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Modell Hinze
Ein Modell baute das Technische Ausbildungswerkes Wernigerode im Auftrage des Heimatverein 2006
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| Fotos: Heimatverein, Weihe, Chronik Abbenrode |
Gedicht: Irrfahrten eines liebeskranken Müllers
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Ein Freund von Adolf Hinze, der erst in reiferen Jahren eine Frau nahm, schrieb ein lustiges Gedicht über seinen Heiratsantrag:
In Abbenrode am Harz lebt eine Müllerin,
weit und breit bekannt Wilhelmine, die schöne Müllerin genannt.
Mit ihren Söhnen zwei`n tut sie die Mühle versehn.
Doch, da sie alt und nach Ruh ihr Sinn
Soll Adolf suchen eine Müllerin.
Doch diesem, der noch nie geliebt, das richt`ge Wort im Halse stecken blieb.
So vergingen Jahr um Jahre, grauer wurden Mutters Haare.
Doch eine Müllerin, oh welch Malheur, bracht Adolf nimmer her.
Im Geheimen trieb oft er faule Sachen (...Moltke Eulenburg) nein
Wir wollen nicht lachen.
In Leipzigs Ratskeller wo`s gewesen ist
Wo ich noch rief, die Hände auf den Tisch
Da war er nicht der blöde Peter, sondern ein Gewaltiger Schwerennöter.
Zu Hause war nun schwerer Stand, bis Adolf endlich nun ein Mädchen fand.
Nach des Tages Lust und Hitze machte er nun seine Kiste.
Verwundert sind Mutter und Bruder, Otto denkt, das ist ein Luder.
Doch wieder welken Busch und Bäume, Adolf ist noch nicht ins Reine.
Die Mutter fürchterlich nun spricht: „Jetzt eine Braut − du Wicht”.
Adolf wutentbrannt bestieg sein Rad,
durchsaust den Weg wie er so ofte tat.
Verwundert schauen Gäns und Hasen den Müller Adolf vorüber rasen.
So manches alte Mütterlein schlug über ihn 3 Kreuzelein.
So saust er hin noch eine Strecke, da bums − lag er im Drecke.
Man glaubt, er habe Rippen sich gebrochen,
doch hat es nur sein Vorderrad betroffen.
Halb lag er auf dem Kreuz halb auf dem M...nein fürchterlich war die Blamage.
Als Adolf aus dem Drecke sich erhob, ein schrecklich Schauspiel sich ihm bot.
Durch die Lüfte sauste, dass Adolfs Haar ergrauste.
Hackelberg der wilde Jäger donnert Adolf furchtbar an:
„Bist du der liederliche Lümmel, der hier macht solch Getümmel,
rast von hier auf den Straßen, dass man nicht mehr kann schlafen.
Was ficht dich an, du Müllersknapp.
Antwort oder ich zerbrech dein Rad.
Hackelberg, hilf mir in meinen Nöten, sonst geht mir meine Braut noch flöten.
„Weil du so offen bist! −
Dein Vater und der Onkel haben mir zwar oft auf`s Grab gepisst,
will ich dir helfen Bengel, eil hin zu deinem Engel.
Lass dir den Schweiß durch alle Ritzen rinnen,
dass die Stummel auf der Zunge schwimmen.”
Adolf nun mit Sturmgebraus, sauste hin zu ihrem Haus.
Warf das Rad in eine Ecke und fragte dann ganz kecke:
„Bertha, willst du Gewinn, so werde meine Müllerin.”
„Ach Adolf leg dich erst ins Bette, siehst aus wie ein Skelette.”
Doch Adolf, der jetzt mutig war, wollte wissen, ob alles klipp und klar.
Nach kurzer Rast eilt heim er in voller Hast.
3 Uhr Nacht donnerts über der Mühle Brücken,
dass alle sich im Schlaf verrücken.
Auf dem Hofe ruft er fürchterlich: „Am 30. November heirate ich.
Seid alle zu geladen, könnt euch im Weine baden.”
Otto dreht sich um und denkt bei sich,
die Liebe ist doch fürchterlich.
Bleib lieber nett bei Muttern, mich Gott verdamme,
für meine Kinder eine Amme.
Gewidmet von einem lustlosen Dichter